Raspberry Pi – Taugt er auch als Desktop-Rechner?

Ich möchte euch den Einplatinen-Computer „Raspberry Pi“ etwas näher vorzustellen und zeigen, wie ich ihn als kleinen, tragbaren „Desktop-Rechner“ verwende.

Der erste Raspberry Pi wurde im Jahr 2012 veröffentlicht und von der britischen Raspberry Pi Foundation entwickelt. Ziel war es einen kleinen, preiswerten Computer zu entwickeln, um junge Menschen zum Programmieren und Basteln zu animieren. Ähnlich wie in den Anfängen des Personal Computers (mit Geräten wie dem C64 von Commodore…). Dementsprechend günstig ist er auch: das von mir verwendete und aktuell Leistungsstärkste Modell, der Raspberry Pi 3 Model B+, kostet gerade mal um die 30,- EUR.

Schauen wir uns also mal an, was in dem kleinen Gerät so steckt und was damit möglich ist.

Der Raspberry Pi
  1. Was wird benötigt / Technische Daten
  2. Das richtige Betriebssystem / Einrichtung
  3. Der Raspberry Pi als „Desktop-PC“  

1. Was wird benötigt / Technische Daten

Was brauchen wir nun alles, um mit dem kleinen Rechner durchstarten zu können? Zunächst einmal das Gerät an sich. Wie schon geschrieben, bekommt ihr das aktuell stärkste Modell (Raspberry Pi 3 Model B+) für um die 30,- EUR. Dieses empfehle ich euch auch, um Sinnvoll damit arbeiten zu können. Die anderen / älteren Modelle sind für den täglichen Einsatz für meinen Geschmack etwas zu schwach – für andere Projekte aber durchaus geeignet. Eine Übersicht und Links zu Online-Shops findet ihr hier: https://www.raspberrypi.org/products/#buy-now-modal.

Was steckt genau in meinem Raspberry?

Prozessor Broadcom BCM2837B0, Cortex-A53(ARMv8) 64-bit SoC mit 1.4GHz
RAM 1 GB LPDDR2 SDRAM
WLAN /
Bluetooth /
Netzwerk
2.4GHz und 5GHz IEEE 802.11.b/g/n/ac WLAN;
Bluetooth 4.2 BLE; Gigabit Ethernet
(max. 300 Mbps)
AnschlüsseHDMI, 4x USB 2.0, Micro SD-Karte
Erweiterungsmöglichkeiten40-pin GPIO; CSI-Anschluss;
DSI-Displayanschluss; AUX

Ihr seht also schon, dass z.B. der RAM recht knapp bemessen ist. Deshalb müssen wir im zweiten Schritt das passende Betriebssystem auswählen, welches perfekt auf den kleinen Pi optimiert wurde. Generell darf man natürlich keine Wunder von einem 30-Euro-Einplatinen-Computer erwarten. Aber für die täglichen „Büroaufgaben“ und Internetsurfen reicht es allemal.

Was bei den technischen Daten noch auffällt: Es fehlt eine Festplatte. Worauf installieren wir also unser Betriebssystem und die Software? Die Antwort: auf eine SD-Karte. Wie das geht, kommt im nächsten Kapitel. Ich selbst habe eine „SanDisk Ultra“-micro-SD-Karte mit 32 GB (ca. 8,- EUR). Wichtig ist hier die Kennzeichnung „A1“ / „Class 10“, damit die Karte schnell genug arbeitet. Außerdem sollte die Karte mindestens 8 GB haben.

Die SD-Karte, die ich verwende

Im Prinzip reicht jetzt ein Monitor (mit HDMI-Anschluss), eine Tastatur und eine Maus sowie ein USB-Netzteil für den Strom aus um mit dem kleinen Rechner arbeiten zu können. Ein Wort noch zum Netzteil: dieses muss genug Saft für den Raspberry liefern. Die meisten Smartphone-USB-Ladegeräte bringen nicht genug Leistung! Das sorgt im Betrieb für Probleme und Abstürze. Teilweise sucht man den Fehler dann auch an anderen Stellen, weil die auftretenden Probleme oft nicht mit einer mangelnden Stromversorgung verbunden werden (z.B. WLAN-Abbrüche, Maus- und Tastaturaussetzer etc.) Es gibt ein „offizielles“ Netzteil für 9,99 EUR z.B. hier: https://www.rasppishop.de/51V-25A-Netzteil-offiziell-fuer-Raspberry-Pi-3-Model-B-Weiss?src=raspberrypi

Ich habe mir außerdem noch für ca. 10,- EUR ein Gehäuse dazugekauft, damit die Platine nicht einfach so „herumliegt“ und dass beim Transport nichts passiert. Das schöne hier: Dank der großen Community um den kleinen Raspberry gibt es etliche Gehäuse (und andere Dinge) zur Auswahl. Da sollte für jeden Geschmack was dabei sein.

Mein Raspberry Pi im Gehäuse

Rechnet man das alles zusammen, kommt man auf ca. 60,- EUR. Ein toller Preis, wie ich finde.

2. Das richtige Betriebssystem / Einrichtung

Fangen wir also an, den Pi zum „leben zu erwecken“. Dazu brauchen wir ein Betriebssystem – und einen weiteren Computer. Wer keinen anderen PC zur Hand hat, kann auch eine bereits vorgefertigte SD-Karte kaufen: https://thepihut.com/products/noobs-preinstalled-sd-card

Das offizielle Standard-Betriebssystem ist Raspbian. Ein Linux auf Debian-Basis mit einfacher grafischer Oberfläche und Optimierungen für das Gerät. Das ist auch meine erste Wahl, da Raspbian einfach zu benutzen ist und alles für den täglichen Bedarf mitbringt. Hier mal drei interessante Alternativen:

  • Ubuntu MATE: Eine Linux-Distribution auf Ubuntu-Basis mit MATE-Desktop
  • LibreELEC: Ein minimales Linux, welches als Basis für das Multimedia-Center „KODI“ dient
  • RISC OS: Dieses Betriebssystem wurde ursprünglich ende der 80er von Acorn für deren PCs mit ARM-CPU entwickelt und auf den Raspberry Pi portiert (leider nur ein rudimentärer Webbrowser sowie aktuell keine WLAN-Unterstützung dafür Nostalgie-Feeling und ein interessantes Bedienkonzept)

Alle Downloads findet ihr auf der offiziellen Raspberry-Pi-Seite: https://www.raspberrypi.org/downloads/

Eine Besonderheit ist „Kali-Linux“. Kali Linux ist wie ein Werkzeugkoffer für Hacker und Sicherheits-Spezialisten. Mitgeliefert werden hier verschiedene Tools um Netzwerke auf den Zahn zu fühlen… diese kann man natürlich auch für bösartige Zwecke verwenden. Wer sich dafür interessiert, findet hier das Image für die SD-Karte des Raspberry Pis: https://www.offensive-security.com/kali-linux-arm-images/

Ich empfehle euch (wie bereits geschrieben) mit Raspbian loszulegen. Dazu laden wir erstmal das entsprechende Image herunter. Zusätzlich benötigt ihr die Software „Etcher“, die es hier zum Download gibt: https://www.balena.io/etcher/. Mit diesem Tool wird das heruntergeladene Image auf die SD-Karte geschrieben. Es ist für Windows, Linux und macOS-Geräte verfügbar und sehr einfach zu bedienen.

Balena Etcher zum Schreiben von Images auf USB-Sticks, SD-Karten usw.

Nach den Downloads die SD-Karte einstecken, Etcher starten, heruntergeladenes Raspbian-Image auswählen und los geht es. Hat alles geklappt, könnt ihr nun die SD-Karte in den Raspberry stecken. Durch Anschluss an die Stromversorgung begrüßt euch euer Raspberry Pi Startscreen von Raspbian. Der Bootvorgang geht normalerweise sehr schnell und innerhalb weniger Sekunden seid ihr auf dem Desktop.

3. Der Raspberry Pi als „Desktop-PC“

Im Prinzip kann es nun schon losgehen! Die wichtigsten Anwendungen sind bereits installiert (z.B. Chromium Webbrowser, LibreOffice…). Natürlich kann man den Desktop jetzt noch seinem eigenen Geschmack anpassen und z.B. ein neues Hintergrundbild auswählen.

Der Desktop mit verschiedenen geöffneten Programmen. Multitasking ist kein Problem

Dazu mit der rechten Maustaste auf eine freie Stelle des Desktops klicken und „Einstellungen“ auswählen. Auch die Farben der Titelleisten und andere Details lassen sich anpassen.

Die Systemeinstellungen

Wer noch weitere Programme installieren will, klickt im Menü auf „Add / Remove Software“. Hier finden sich etliche Programme mit entsprechender Beschreibung.

Zum Surfen empfehle ich euch den vorinstallierten Browser „Chromium“. Dieser läuft auf dem Raspberry Pi am besten und ermöglicht auch das öffnen von mehreren Tabs und das Anschauen von Videos auf YouTube & Co.

Auch LibreOffice ist standardmäßig installiert und läuft rund

Das Fazit? Ja, man kann den Raspberry als günstigen Desktop-Rechner verwenden. Dies klappt erstaunlich gut und sollte für die gängigsten Anwendungsgebiete ausreichen. Die Bedienung ist mit Raspbian als Betriebssystem sehr einfach. Das System läuft stabil und macht Spaß. Dies kann für den ein oder anderen ja auch ein erster Schritt in die Welt von Linux sein. Man kann erste Erfahrungen sammeln ohne den Hauptrechner „in Gefahr“ zu bringen. Oder man entdeckt das Interesse am Programmieren usw. Wer sich ein wenig eingearbeitet und eingelebt hat, dem empfehle ich mal nach verschiedenen Raspberry-Projekten und Einsatzzwecke zu googlen. Es gibt eine unheimlich große Community und die verrücktesten Ideen. Daumen hoch für den kleinen Computer.

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